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Ihre persönliche Wissenslandkarte
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Die Wissenslandkarte: Überblick ist erst der Anfang

Wer einen Fachartikel schreiben, eine Artikelserie planen oder ein Buchkonzept entwickeln will, braucht zuerst eines: den Überblick über das eigene Wissen. Die Wissenslandkarte schafft genau das. Und ihr Wert geht noch weit darüber hinaus…

Kürzlich stand ich vor einer Gruppe von Beraterinnen und Beratern und fragte, wie sie ihr Erfahrungswissen für ihre Kommunikation nutzen. Ein Teilnehmer sagte einen Satz, bei dem sofort alle nickten: „Wir sitzen im Marmeladenglas – und können unser eigenes Etikett nicht lesen.“

Das Bild beschreibt einen Zustand, den viele kennen. Man hat über Jahrzehnte Erfahrung gesammelt, Krisen gemeistert, Strategien entwickelt, Veränderungen begleitet. Man weiß, dass man etwas zu sagen hat. Doch sobald es darum geht, dieses Wissen in einen wirkungsvollen Text zu bringen – in einen Fachartikel, eine Artikelserie, ein Buchkonzept –, wird es schwierig. Das Material ist da, oft sogar im Überfluss. Was fehlt, ist der Überblick: Was weiß ich wirklich? Und was davon ist für mein Ziel wichtig?

Genau hier setzt die Wissenslandkarte an. Sie verschafft den Überblick, der jedem wirkungsvollen Text vorausgehen muss. Wer diesen Schritt auslässt und direkt losschreibt, baut auf unsicherem Fundament. Doch ihr Wert geht noch tiefer: Die Wissenslandkarte ist das Werkzeug, mit dem aus einem Wissensschatz strategische Kommunikation werden kann.

Was eine Wissenslandkarte ist

Eine Wissenslandkarte ist ein grafisch dargestelltes Verzeichnis, das auf vorhandenes Wissen hinweist – etwa in Form einer Mindmap, einer Tabelle oder eines Diagramms. Sie macht das Wissen sichtbar, enthält es aber nicht selbst. Sie skizziert Themenfelder, ordnet sie, ohne bereits in die Tiefe zu gehen. Das eigentliche Wissen wird erst in einem späteren Schritt erschlossen – bei den „Tiefenbohrungen“, wie es der Didaktiker Prof. Martin Lehner nennt (mehr dazu in meinem Blogartikel „Viel Stoff, wenig Platz: Der Trick mit der didaktischen Reduktion“).

So wie Autofahrer eine Straßenkarte, Wanderer eine Wanderkarte und Seefahrer eine Seekarte nutzen, kann eine Wissenslandkarte Ihnen helfen, berufliche oder geschäftliche Ziele zu erreichen. Welche Themen auf ihr erscheinen und wie detailliert sie ausgearbeitet sind, richtet sich nach Ihren persönlichen Zielen. 

Genau darin liegt der grundlegende Unterschied zum klassischen Wissensmanagement: Dort werden Wissenslandkarten im Interesse der Organisation erstellt, um das Erfahrungswissen von Mitarbeitenden möglichst vollständig zu erfassen und zu dokumentieren. Hier dagegen steht Ihr Ziel im Mittelpunkt – und damit eine gezielte Auswahl des Wissens.

So entsteht die Wissenslandkarte

Ein Beispiel: Ein erfahrener Geschäftsführer hat sein Unternehmen über Jahre erfolgreich geführt. Er hat Restrukturierungen gemeistert, schwierige Entscheidungen getroffen und Teams durch Krisen geleitet. Nun möchte er sich als Berater selbständig machen und sein Erfahrungswissen gezielt einsetzen. Er weiß, dass er viel zu bieten hat. Doch was genau? Und für wen?

Bevor er seine Wissenslandkarte erstellt, klärt er drei Fragen: Was ist sein Ziel? Wen will er erreichen? Und welche Leitfrage ergibt sich daraus?

  • Sein Ziel: Er möchte sein Erfahrungswissen aus der Restrukturierung seines Unternehmens für seine künftige Beratungstätigkeit nutzen.
  • Seine Zielgruppe: Geschäftsführer seiner Branche, die vor einer Restrukturierung stehen.
  • Seine Leitfrage: „Welche Erfahrungen aus meiner Führungstätigkeit helfen mir, Geschäftsführer in kritischen Situationen zu begleiten?“

Die Leitfrage dient als Kompass. Sie bestimmt, welche Themen in die Landkarte gehören.

Wie geht er vor?

Zunächst beantwortet er die Leitfrage spontan, ohne lange nachzudenken. Stichwortartig notiert er, was ihm einfällt: Führen in Krisensituationen, Personalabbau, strategische Entscheidungen unter Unsicherheit, Kommunikation mit dem Aufsichtsrat. So entsteht eine erste grobe Skizze seines Wissensgebiets.

Im nächsten Schritt verfeinert er die Skizze. Er versetzt sich in seine künftige Rolle als Berater und spielt typische Situationen durch – aus seiner eigenen Sicht und aus der des Kunden. So stellt er sich etwa vor, wie er einen Kunden in einer Restrukturierung begleitet. Er überlegt, worauf es ankommt, und analysiert, was der Kunde in dieser Lage denkt, fragt und erwartet.

Am Ende steht eine Wissenslandkarte mit fünf bis acht Hauptthemen, ergänzt durch jeweils zwei bis drei Unterthemen. Nicht alles, was er weiß, ist darin erfasst – aber das, was für sein Vorhaben zählt.

Beispiel einer Wissenslandkarte

Ausschnitt aus einer beispielhaften Wissenslandkarte

Was aus der Wissenslandkarte wird

Der erste Gewinn der Wissenslandkarte ist der Überblick. Ihr eigentlicher Wert zeigt sich jedoch erst in der Arbeit mit ihr.

Die Karte macht sichtbar, welche Themen für Ihr übergeordnetes Ziel relevant sind. Damit können Sie Prioritäten setzen: Wo lohnt es sich besonders, tiefer einzusteigen? Welches Thema passt zu dem, was Sie gerade nach außen sichtbar machen wollen? Diese Entscheidungen richten sich nach Ihrer Strategie – und die Wissenslandkarte liefert die Grundlage dafür.

So ermöglicht sie eine durchdachte, aufeinander abgestimmte Kommunikation: für LinkedIn-Beiträge, für eine Artikelserie, den Redaktionsplan Ihres Blogs oder als Grundlage für ein Buchkonzept.

Auch bei Einzelentscheidungen hilft sie. Entsteht auf LinkedIn eine Diskussion, erkennen Sie sofort, ob das Thema zu Ihrem Gebiet gehört – und ob es sich lohnt, sich einzubringen. Fragt eine Redaktion nach einem Beitrag, sehen Sie auf einen Blick, ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Kurz: Die Wissenslandkarte ist das Werkzeug, das aus einem Wissensschatz strategische Kommunikation macht.

Zurück zum Beispiel des Geschäftsführers. Er hat seine Wissenslandkarte erstellt. Sie zeigt verschiedene Themen wie „Führen in der Krise“ oder „Personalabbau menschlich gestalten“. Eines davon wählt er aus und geht in die Tiefe – er nimmt eine „Tiefenbohrung“ vor. Hierzu lässt er Projekte Revue passieren, analysiert Entscheidungen und formuliert Erkenntnisse, die ihm bisher unbewusst waren. 

Aus diesem Material entwickelt er prägnante Einzelbotschaften. Zum Beispiel: „Wer in einer Krise erst überlegen muss, wer was entscheidet, hat schon verloren.“ Oder: „In Krisen dient Kommunikation nicht der Beruhigung, sondern der Orientierung.“

Jede dieser Botschaften steht für sich, eignet sich zum Beispiel für einen Fachartikel, und passt zugleich zur übergeordneten Kernbotschaft, für die er als Berater stehen will. So entsteht aus einer einzigen Tiefenbohrung ein ganzes Repertoire an Einzelthemen für Artikel, Vorträge oder LinkedIn-Beiträge.

Die Wissenslandkarte ist damit nicht das Ende eines Prozesses. Sie ist sein Anfang.

Sie möchten den Weg vom Erfahrungswissen zur strategischen Kommunikation systematisch gehen? In meinem E-Book Vom Wissen zur Botschaft beschreibe ich den gesamten Prozess – von der Wissenslandkarte über gezielte Vertiefungen bis zur Entwicklung und zum Einsatz wirkungsvoller Botschaften.

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