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Drei Zutaten für erfolgreiche Fachartikel: Logos, Pathos, Ethos
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Damit verleihen Sie Ihrem Fachartikel Schlagkraft: Logos, Pathos, Ethos

Der griechische Philosoph Aristoteles hat drei Komponenten festgestellt, die eine gelungene Rede ausmachen: Logos, Pathos, Ethos. Auch Autorinnen und Autoren von Fachartikeln sollten das Konzept anwenden.

Von einem „Rhetorischen Dreieck“ haben die Alten Griechen noch nicht gesprochen, wahrscheinlich ist der Begriff die Erfindung eines Rhetoriktrainers. Das dahinter stehende Modell jedoch ist schon rund 2.360 Jahre alt. Es stammt vom Philosophen Aristoteles – und gilt bis heute als Leitlinie für gelungene Reden.

Wie eine kurze Google-Recherche belegt, erfreut sich das „Rhetorische Dreieck des Aristoteles“ großer Popularität. Das Konzept leuchtet unmittelbar ein und ist deshalb Gegenstand vieler Rhetorikkurse. Unbestritten hilft es, überzeugende Reden zu halten. Was aber noch wenig Beachtung findet: Es lässt sich auf andere Kommunikationsformen, nicht zuletzt auf Fachartikel übertragen. Fachautoren finden hier eine einfache Leitlinie, um wirkungsvolle Texte zu schreiben.

Die Redekunst systematisch durchdacht

Aristoteles (384–322 v. Chr.) war ein Schüler Platons, dessen Akademie er 20 Jahre angehörte. Später machte er sich als Lehrer selbständig und gab im Lykeion, einer Sporthalle in Athen, Unterricht. Zudem übernahm er die Erziehung eines jungen Makedonen: des künftigen Königs Alexanders des Großen.

Zu seinen Hauptwerken zählt eine Abhandlung über Rhetorik, bei der es vor allem um die Frage geht, warum eine Rede erfolgreich ist – so erläutert der Klassische Philologe Wilfried Stroh in seinem Buch Die Macht der Rede (Berlin 2009, S. 174ff).

Aristoteles mit PlatonDer Philosoph Aristoteles (rechts), hier im Gespräch mit seinem Lehrer Platon (Ausschnitt aus Raffaels „Schule von Athen“, Quelle: Wikimedia)

Aristoteles Werk über die Rhetorik gilt als „der erste großangelegte Versuch der Geschichte, die Redekunst systematisch zu durchdenken“, urteilt in einem Blogartikel Dr. Michael Rasche, Unternehmensberater sowie Professor für Philosophie an der KU Eichstätt-Ingolstadt.

Drei Zutaten für eine überzeugende Kommunkation

Aristoteles unterscheidet in seinem Werk verschiedene Arten des Glaubhaftmachens oder Überzeugens, die sich „im Altertum bewährt haben und bis heute fundamental sind“, schreibt Wilfried Stroh. Die wichtigste Einteilung, nach der Aristoteles weitgehend auch sein Werk „Rhetorik“ aufgebaut hat, sind für ihn drei Arten der Überzeugung: Logos, Pathos, Ethos.

  • Logos bedeutet in etwa Logik und Vernunft. Es geht darum, das Publikum durch Inhalte und Argumentation zu überzeugen.
  • Pathos bedeutet in etwa Emotionen und Leidenschaft. Hier geht es darum, beim Publikum Gefühle zu wecken, um es emotional mitzureißen.
  • Ethos bedeutet in etwa Glaubwürdigkeit und Charakter. Gemeint ist der Charakter des Redners, der glaubwürdig wirken muss, „denn anständigen Menschen glauben wir mehr und schneller“ (Aristoteles).

Drei Zutaten für erfolgreiche Fachartikel: Logos, Pathos, Ethos

Nach Aristoteles braucht eine überzeugende Kommunikation drei Zutaten: Logos, Pathos, Ethos.

Logos: Nutzen Sie die Kraft der Argumentation

Logos – das ist die Basis jeder Rede. Hier geht es um Inhalt, fachliche Zusammenhänge, schlüssige Argumentation. „Es ist für Aristoteles offensichtlich, dass die erste Aufgabe des Redners darin besteht, ob der Inhalt dessen, was er vermitteln will, vernünftig ist“, schreibt Michael Rasche im genannten Blogbeitrag. „Danach kann er sich darum sorgen, wie er den Inhalt möglichst gut rüberbringt.“

Dem dürfte jeder Fachautor unserer Tage zustimmen. Er wäre kein Fachautor, würde es ihm nicht um Fakten, Zusammenhänge und nachvollziehbare Schlussfolgerungen gehen. In einem Fachtext spiegelt sich Logos vor allem auch in einer schlüssigen Struktur wider (mehr hierzu im Beitrag Fachartikel schreiben).

Pathos: Nutzen Sie die Kraft der Emotion

„Mit Pathos ist gemeint, die Zuhörer in einen Affektzustand zu versetzen“, erläutert Wilfried Stroh. Es geht darum, Sympathie und Vorstellungsvermögen zu wecken. So wird das Gesagte konkret vorstellbar und bleibt im Gedächtnis haften. Erst dieser Appell an Gefühle kann Menschen mitreißen und sie zum Denken und Handeln bewegen.

Hirnforscher bestätigen diesen Zusammenhang: Damit wir uns an eine Botschaft erinnern, baucht es beides, Information und Emotion. Entscheidend sei die „simultane Aktivierung emotionaler und kognitiver Netzwerke“, erklärt der Hirnforscher Gerald Hüther (Mit Freude lernen, S. 153) „Erfahrungen sind niemals nur kognitiv oder nur emotional, sondern immer gleichzeitig kognitiv und emotional verankert.“

Die Kraft der Emotion berücksichtigt auch das Hamburger Verständlichkeitsmodell des Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Das Modell nennt vier Bedingungen für einen verständlichen Text – eine davon ist die Forderung, dass der Text beim Leser Gefühle ansprechen und stimulieren sollte. Hierzu können zum Beispiel persönliche Erlebnisse oder packende Beispiele beitragen.

Wider die trockenen Texte

Viele Fachautoren scheuen davor zurück, eine emotionale Bindung zum Leser aufzubauen. Warum diese Zurückhaltung nicht zielführend ist, hat der US-amerikanische Publizist und Lektor Sol Stein in seinem Schreibratgeber „Über das Schreiben“ sehr klar formuliert:

„Was ist von einem Sachbuchautor zu halten, der sich ausschließlich als Vermittler von Fakten versteht und die Vorstellung, auf die Gefühle seiner Leser einwirken zu sollen, weit von sich weist? Wissenschaftliche Texte, Verhandlungsprotokolle, Geschriebenes, das in uns weder Anteilnahme noch ein Bedürfnis zum Weiterlesen weckt, bezeichnen wir manchmal als ‚trocken‘. Damit meinen wir, dass es kein Bild vor unseren Augen entstehen lässt. Es berührt uns nicht, und, wichtiger noch, es regt unseren Intellekt nicht zu tieferen Einsichten an, wie es doch sein vorgeblicher Zweck ist.“

Sol Stein, Über das Schreiben, S. 22f

Ethos: Nutzen Sie die Kraft der Glaubwürdigkeit

Eine Rede kann inhaltlich noch so überzeugend und noch so emotional mitreißend vorgetragen sein – wenn das Publikum dem Redner die Glaubwürdigkeit abspricht, verfehlt sie ihre Wirkung. Neben Logos und Pathos hängt der Erfolg daher noch von einer dritten Zutat ab: von Ethos, dem Charakter des Redners.

Das gilt ebenso für Fachartikel. Wenn der Leser an der Kompetenz des Autors zweifelt, wird ihn auch ein gut geschriebener Text kaum überzeugen.

Wie lassen sich in einem Fachartikel Glaubwürdigkeit und Kompetenz des Autors vermitteln?

Helfen können hier drei Regeln:

  • Auf Augenhöhe zum Leser achten. Das heißt vor allem, nicht werblich oder belehrend schreiben, sondern aus der Position eines erfahrenen Experten: kritisch, unabhängig und mit Lust daran, Menschen bei einem schwierigen Thema auf möglichst interessante Art Orientierung zu geben.
  • Offenheit zeigen – zum Beispiel eine wichtige Botschaft oder Schlussfolgerung nicht nur gut begründen, sondern auch beschreiben, wie man zu ihr gelangt ist.
  • Über den Autor informieren. Ein Artikel sollte eine knappe, aber aussagekräftige Autoreninformation enthalten, die die Kompetenz des Autors belegt.

Leider bringen sich Beraterinnen und Berater mit der Art, wie sie Artikel verfassen, immer wieder um ihre Glaubwürdigkeit. Manche schreiben in einem werblichen Stil und wecken damit den Eindruck, vor allem ihre Leistung verkaufen zu wollen. Andere geraten in einen sehr belehrenden, manchmal fast befehlenden Stil, der besserwisserisch und damit abstoßend wirkt. Beides vermittelt eine Haltung, die sich mit der Maxime „Ethos“ kaum vereinbaren lässt.

Logos, Pathos, Ethos – auf die Dosierung kommt es an

Den Vorrang räumt Aristoteles dem Logos, der Überzeugung durch Inhalte ein. „An ihr ist Aristoteles am meisten gelegen“, sagt der Philologe Wilfried Stroh. Dem können Fachautoren nur zustimmen – der fachliche Inhalt ist bei einem Fachartikel natürlich entscheidend.

Die Kernaussage jedoch lautet: Ohne die beiden anderen Komponenten, ohne Pathos und Ethos, geht es nicht. Eine gute Rede sei auf das Zusammenspiel aller drei Faktoren angewiesen, resümiert Michael Rasche. „Wenn der Redner als unglaubwürdig oder bestechlich gilt oder die Zuhörer emotional gegen das Thema oder den Redner eingestellt sind, können die Argumente in der Rede noch so gut sein: sie greift nicht.“

Das gilt ebenso für Fachautorinnen und Fachautoren. Für sie lässt sich aus dem rhetorische Dreieck des Aristoteles ein einfacher Leitsatz ableiten: Ein erfolgreicher Fachartikels braucht drei Zutaten – Logos, Pathos, Ethos.

Notwendig sind alle drei Komponenten. Wie Sie diese jedoch dosieren, hängt vom Kontext ab:

  • Wenn Sie bei Ihrer Zielgruppe bereits gut bekannt sind, hat sich das Thema Ethos weitgehend erledigt und Sie können sich auf Logos und Pathos konzentrieren.
  • Bei einem sehr sachlich eingestellten Publikum legen Sie den Akzent verstärkt auf Logos, argumentieren also vor allem mit Fakten.

Aber auch bei einer sachlich eingestellten Leserschaft – darin liegt die wohl wichtigste Botschaft – lohnt es sich, wohldosiert die Zutat „Pathos“ beizufügen. Zum Beispiel indem Sie ein wichtiges Argument mit einer Metapher oder einem persönlichen Erlebnis verknüpfen.

Wie schreibt man Fachartikel, die wirklich gelesen werden? Mehr zum Thema erfahren Sie in einem kostenlosen E-Paper und in meinem Deutsch-Letter:

2 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Beitrag, der die Informationen zu Logos, Pathos und Ethos in Kürze auf den Punkt bringt. Die drei Komponenten von Aristoteles werde ich in Zukunft berücksichtigen und sicher nicht mehr vergessen. Vielen Dank dafür.

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