„Kann künstliche Intelligenz der Ghostwriter sein, der meine Texte schreibt?“ Die Debatte um KI-Texte wird emotional geführt. Kein Wunder: Es steht viel auf dem Spiel – nicht zuletzt die eigene Reputation.
Künstliche Intelligenz liefert heute gut formulierte, oft überzeugend klingende Texte – und das in kürzester Zeit. Vor diesem Hintergrund lassen sich drei Entwicklungen beobachten, die sich überlagern und viele Autorinnen und Autoren in ein Dilemma führen.
Erste Entwicklung: Die Angst um die Reputation wächst
KI-Texte stehen zunehmend in der Kritik. Begriffe wie „AI Slop“ oder „KI-Schrott“ machen die Runde. Gemeint sind massenhaft generierte Inhalte, die zwar gut klingen, aber inhaltlich flach bleiben.
„Texte, die lediglich generische Floskeln aus den Trainingsdaten wiederholen, wirken unpersönlich und schmälern die Glaubwürdigkeit eines Autors oder Unternehmens“, warnt Udo Raaf, Content- und SEO-Berater in Berlin, in einem Blogartikel.
Die Folge: Die Sorge vor Reputationsverlust nimmt zu.
Zweite Entwicklung: Erkennbarkeit wird zur Kompetenz
Viele versuchen deshalb zu verbergen, dass KI ihren Text geschrieben hat. Sie überarbeiten den Entwurf und entfernen typische KI-Formulierungen. Doch die Ausssicht, damit durchzukommen, schwindet: Leserinnen und Leser werden immer besser darin, KI-Texte zu erkennen.
Immer öfter erscheinen Anleitungen, die erklären, wie man KI-Texte entlarvt. Udo Raaf erklärt zum Beispiel in seinem Blogartikel, woran man KI-Texte erkennt und listet typische ChatGPT-Formulierungen auf. Auch das Weiterbildungs- und Karrieremagazin Golem.de hat eine entsprechende Anleitung veröffentlicht. Zudem widmet sich eine aktuell angelaufene Studie der Ruhr-Universität Bochum der Erkennbarkeit von KI-Texten.
Die Folge: Leser und vor allem auch Redaktionen haben inzwischen ein geschultes Auge für KI-Texte. Das Arbeiten mit KI lässt sich kaum mehr vertuschen.
Dritte Entwicklung: Die Rückbesinnung auf Authentizität
Als Reaktion auf die Allgegenwart von KI-Texten gewinnen Praxiserfahrung und eigene Gedanken wieder an Bedeutung. Sie werden zum zentralen Differenzierungsmerkmal gegenüber generischen Inhalten. Daniel Popp, Inhaber einer Digital- und Werbeagentur, sieht die Debatte um KI versus Mensch an einem Wendepunkt. In der digitalen Welt passiere gerade „etwas ziemlich Faszinierendes“: „Menschen wollen wieder authentische, echte Inhalte.“
Der Journalist Stephan Scheuer geht noch weiter. „Je künstlicher digitale Räume werden, desto wertvoller wird das Analoge“, schrieb er am 2. Januar 2026 im Handelsblatt KI-Briefing. „Persönliche Begegnungen, direkte Gespräche, echte Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Vertrauen entsteht wieder über Nähe, nicht über Sichtbarkeit. Über Erfahrung, nicht über Reichweite.“
Das KI-Texte-Dilemma
Diese drei Entwicklungen treiben viele Autorinnen und Autoren in eine Zwickmühle: Wer KI nutzt, riskiert, erkannt zu werden und an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wer auf KI verzichtet, kommt langsamer voran und verliert Sichtbarkeit.
Das ist das Dilemma, in dem sich viele sehen: Nutze ich KI als Ghostwriter und gefährde meine Reputation – oder verzichte ich darauf und bleibe unsichtbar?
Die gute Nachricht: Das Dilemma ist lösbar. Die Debatte um KI-Texte lenkt vom eigentlichen Problem ab. Die entscheidende Frage liegt woanders.
Das wahre Problem von KI-Texten
Ein Beispiel zeigt, worum es wirklich geht: Eine Unternehmensberaterin schickte mir den Entwurf ihres Fachartikels. Der Text war gut strukturiert und flüssig geschrieben. „Ich habe ChatGPT genutzt, um effizienter zu sein“, sagte sie. „Aber jetzt habe ich Angst, dass die Redaktion das merkt.“
Mit dieser Befürchtung lag sie vermutlich richtig. Entscheidend war jedoch etwas anderes. Nachdem wir uns eine Weile ausgetauscht hatten, sah sie selbst, dass dem Text etwas Wesentliches fehlte: „Das könnte von jedem sein“, erkannte sie. „Meine Erfahrung kommt darin nicht vor.“
Damit traf sie den Kern.
Das Problem war nicht, dass sie ChatGPT genutzt hatte. Redaktionen stört es in der Regel nicht, wenn eine KI beim Schreiben unterstützt, schließlich arbeiten sie selbst damit. Was sie stört, sind Texte ohne eigene Gedanken. Texte, die nichts Neues bieten. Texte ohne Haltung, ohne Erfahrung, ohne Substanz.
Das eigentliche Risiko liegt nicht in der KI, sondern darin, dass Autoren ihr Wissen nicht einbringen. Der entscheidende Schritt passiert vor dem Schreiben: sich klarmachen, was man weiß und was davon in den Text gehört.
Der entscheidende Unterschied
Das Beispiel der Beraterin zeigt, worauf es ankommt. Die erste Version ihres Textes war sauber strukturiert und gut formuliert. Sie hatte ChatGPT ein Thema und einige Stichworte gegeben, den Text generieren lassen und einzelne Formulierungen angepasst. Das Ergebnis spiegelte öffentlich verfügbares Wissen wider – mehr nicht.
In der zweiten Version änderten wir den Ansatz. Vor dem Schreiben überlegte sie, was sie sagen wollte (mehr zur Vorgehensweise in meinem Blogartikel „Fachartikel planen: Warum ein guter Text vor dem Schreiben entsteht“). Sie entwickelte eine klare Botschaft und brachte ihre Projekterfahrungen ein. Wir zeichneten ihre Gedanken auf, transkribierten und strukturierten sie. Erst dann nutzten wir die KI, um den Text zu formulieren. Das Ergebnis war ein Artikel mit Substanz.
Der Unterschied: In der zweiten Version lieferte sie der KI neues, einzigartiges Wissen aus ihrer Praxis.

Allgemeines Wissen oder Erfahrungswissen: Entscheidend ist, womit Sie die KI arbeiten lassen.
Wer künstliche Intelligenz ohne Gefahr für die eigene Reputation nutzen will, muss sie gezielt mit eigenem Wissen versorgen. Künstliche Intelligenz kann nur mit dem arbeiten, was ihr zur Verfügung steht.
Fazit: Das Dilemma ist lösbar
Ob Redaktionen KI-Texte erkennen, ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob ein Text eigenes Erfahrungswissen vermittelt. Überzeugen kann er, wenn er Substanz hat, Neues liefert – und die Inhalte klar erkennbar von einer Autorin oder einem Autor stammen. Texte ohne eigene Gedanken wirken hingegen beliebig, auch wenn sie keine typischen KI-Floskeln enthalten.
Das Dilemma löst sich, sobald die Reihenfolge stimmt: erst denken, dann schreiben. Botschaft klären, eigenes Wissen explizieren, Struktur schaffen – und anschließend formulieren. Mit oder ohne KI.
Mein Fachartikel-Service setzt genau an dieser entscheidenden Vorphase an. In einem gemeinsamen Workshop entwickeln wir eine klare Botschaft, mobilisieren Ihr Erfahrungswissen und strukturieren den Artikel.

Sehr geehrter Herr Deutsch
Ihr Text berührt mich. Wenn ich darüber schreibe, merke ich, dass es mich noch immer beschäftigt, obwohl ich mich längst entschieden habe, nicht mehr darüber zu schreiben. Es geht nicht nur um KI, sondern um etwas Grundsätzlicheres: um den Wert von Erfahrung, von Denken und von Sprache.
Ich habe mein Geschäftsmodell in den letzten 5 Jahren dreimal angepasst, weil Textaufträge nach und nach weggebrochen sind. Ausgelöst durch die Haltung der Kunden, nach Eintritt von ChatGPT. Meine Textexpertise ist praktisch nicht mehr gefragt. Also investierte ich mit 52 in ein erweitertes Hochschulstudium (CAS Digital Publisher, AI Prompting, Creative Prompt Direction). Ich war überzeugt, dass Tiefe und Sorgfalt weiterhin gefragt sein würden und so die Kunden wieder zurückkommen würden. Ich nahm eine Änderung im Handelsregister vor, kreierte eine neue Website, erstellte Kurse zur Marketingpsychologie, AI Prompting und zum Texten. Doch kaum war ich fertig, war der Markt schon überschwemmt von Communitys, Kursen und Angeboten, die versprachen, all das schneller und günstiger zu machen.
Mir schrieben verzweifelte Texter, und ich tauschte mich telefonisch mit Herrn F. Item über das Thema KI und Zukunft für Texter aus. Ich habe Herrn Item über die Texterakademie in Zürich kennengelernt.
Nach dem Hochschulstudium poppten KI-Experten auf, die die geisteswissenschaftliche Arbeit des Textens automatisierten. Das machte mich sprachlos und nachdenklich. Expertise wurde nicht mehr daran gemessen, wie viel jemand verstanden, reflektiert oder erlebt hatte, sondern daran, wie gut ein KI-Tool bedient werden konnte und mit der Automatisierung Websites gescrapt werden. Ich habe Aufträge verloren. Die Kunden sagten mir direkt: „Das machen wir jetzt mit KI, das merkt ja eh keiner.“ Und jedes Mal blieb bei mir dieses stille Unbehagen zurück, weil hier nicht nur eine Leistung ersetzt wurde, sondern ein ganzes Berufsethos.
Was mich dabei besonders berührt: Ich sehe viele gut ausgebildete, reflektierte Menschen, die in ihre Aus- und Weiterbildung investiert haben und trotzdem das Gefühl haben, nicht mehr hinterherzukommen. Kaum hat man etwas fundiert gelernt, ist es schon wieder Standard oder wird durch Automatisierung entwertet. In dieser Logik kann heute fast jede Person Expertin sein, wenn sie KI nutzt. Das finde ich besorgniserregend, hinsichtlich dessen, was es aus der Informations- und Inspirationsquelle des Internets macht. Und hinsichtlich der deutlich zunehmenden Misinformationen.
Ich nutze KI. Sie hilft mir, meine Gedanken zu ordnen, Strukturen zu erkennen und Zusammenhänge klarer zu sehen. Aber das Schreiben selbst ist meine Herzensangelegenheit. Die LLms kennen meine Erfahrungen nicht, meine Zweifel, meine Perspektiven. Sie kann neue Blickwinkel nur dann einbringen, wenn ich sie ihr erzähle. Sie strukturiert sie dann für mich. Aber der neue Blickwinkel kam von mir, während ich schrieb.
So stehe ich dazu, wenn ich mehr als 10 min. Zeit brauche, um Texte zu formulieren. Weil Schreiben für mich Denken ist. Ich kann nicht schreiben, ohne zu reflektieren, ohne einzuordnen und ohne Verantwortung für das Gesagte zu übernehmen. Ich bringe es nicht einmal über mich, automatisierte oder gescrapte Texte zu veröffentlichen, nur um mithalten zu können.
Ja, das macht mich leiser in einer Welt, die Geschwindigkeit, Sichtbarkeit und Reichweite belohnt. Ich merke das auf Plattformen wie LinkedIn, auch wenn ich Social Media nicht mag. Und manchmal fühlt es sich an, als hätte ich meine Stimme verloren. Aber vielleicht ist sie nicht weg, denn ich suche noch nach einer Möglichkeit, ohne Meta oder Tiktok meine Artikel auf seriösen Plattformen zu teasern (sagt man heute so).
Ich habe mich aufgemacht, um von den Red Ocean in den Blue Ocean zu segeln. Vielleicht finde ich auf meiner Reise einen Ort, an dem Tiefe noch Platz hat, Erfahrung zählt und an dem Schreiben wieder das sein darf, was es für mich immer ist: ein menschlicher Prozess. Langsam, reflektiert und nicht perfekt, aber echt.
Danke für Ihren Artikel.
Liebe Frau Frenzel,
Ihre Gedanken und die Schilderung Ihrer Geschichte stimmen nachdenklich.
Einen Aspekt möchte ich hervorheben: Sie sagen, „der neue Blickwinkel kam von mir, während ich schrieb“. Das ist eine Erfahrung, die wir Schreibenden ja oft machen: Das Schreiben selbst bringt uns unerwartet auf neue Gedanken, die dann in den Text einfließen. Lässt man dagegen KI schreiben, fällt dieser produktive Prozess während des Schreibens komplett weg. Dem Text fehlen damit Gedanken, die nie entstanden sind.
Danke für Ihren Beitrag!
Lieber Herr Deutsch
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und für das Herausgreifen dieses Aspekts.
Vielleicht ist das die eigentliche Zäsur in der Debatte: Nicht die Frage, wer schreibt, sondern wann gedacht wird.
Vielen Dank für Ihren Artikel und den offenen Austausch.
Herzliche Grüsse
Manuela Frenzel