Eine Studie der Universität Passau zeigt: KI-generierte Beiträge werden häufig als authentischer wahrgenommen als die eigenen. Das birgt Risiken. Wer die Kontrolle über die eigene Position verliert, gefährdet Glaubwürdigkeit und Reputation.
Die im Juli 2026 publizierte Studie untersuchte, wie Menschen KI-generierte Imitationen bekannter Persönlichkeiten wahrnehmen. Dazu verglichen die Forschenden Aussagen von 112 Teilnehmern aus der britischen Polit-Talkshow Question Time mit KI-generierten Antworten auf dieselben Fragen. 948 britische Staatsbürger bewerteten die Beiträge nach Authentizität, Kohärenz und Relevanz.
Zwar bezieht sich die Untersuchung auf eine britische Politsendung, ihre Erkenntnisse gelten jedoch darüber hinaus: Jede Führungspersönlichkeit mit öffentlicher Stimme steht vor demselben Problem wie die imitierten Personen der Studie.
Das Ergebnis: Etwa jede achte KI-generierte Antwort (13 Prozent) weicht inhaltlich von der Originalposition ab – und bleibt unbemerkt. Die Befragten achteten vor allem auf Kohärenz, Relevanz und sprachliche Qualität. Ob die Antwort tatsächlich die Haltung der imitierten Person widerspiegelte, spielte kaum eine Rolle.
Die zentrale Erkenntnis: Ein gut formulierter KI-Text wirkt glaubwürdig, selbst wenn er nicht der Position des vermeintlichen Autors entspricht.
Gefahr für Führungspersönlichkeiten
Hier liegt das Risiko: KI-Texte können überzeugen, ohne die wahre Haltung wiederzugeben.
Reputation entsteht durch verlässlich gezeigte Überzeugungen, nicht durch wohlklingende Worte. Genau diesen Zusammenhang kann KI untergraben: Sie erzeugt Texte, die wie die eigene Stimme klingen, ohne zwingend die eigene Position zu transportieren.
Auch Bekanntheit schützt nicht vor Täuschung. Wer annimmt, enge Vertraute oder ausgewiesene Kenner könnten KI-generierte Fälschungen anhand feiner Stilmerkmale erkennen, irrt. Selbst Teilnehmer, die mit den Sprechern vertraut waren, erkannten die Imitationen nicht besser als andere.
Übertragen auf die schriftliche Fachkommunikation bedeutet das: Ein fremder, KI-generierter Fachartikel kann einer Führungskraft Positionen zuschreiben, die ihren tatsächlichen Überzeugungen widersprechen – ohne dass die Leserschaft den Unterschied erkennt.
Die Konsequenz
Wer KI für die eigene Kommunikation nutzt, muss die eigene Haltung klar formulieren. Andernfalls füllt die KI Lücken mit plausiblen, aber möglicherweise falschen Inhalten.
Ein zweiter Ansatzpunkt liegt in der Begründung der eigenen Überzeugungen. Erfahrungen, Entscheidungen und Beobachtungen, die eine Haltung prägen, kann keine KI liefern – nur die Person selbst. Wer nicht nur seine Position darlegt, sondern auch erklärt, wie sie entstanden ist, bleibt unverwechselbar.
Impuls
Ihre Haltung ist austauschbar. Ihr Weg dorthin nicht.
Sie möchten das Thema vertiefen? Lesen Sie hierzu meinen Blogartikel „Zeigen statt Sagen: So gewinnen Sie Vertrauen in KI-Zeiten“.
