Selbstlern-Kurs „Artikel schreiben“
9 | Den Artikel fertigstellen
Kaum ein Artikelentwurf ist fehlerfrei. Vor der Veröffentlichung steht daher noch eine sorgfältige Schlussbearbeitung: Der Artikel erhält seinen letzten Schliff und wird systematisch auf mögliche Fehler kontrolliert.
In dieser Lektion erfahren Sie,
- wie Sie Ihren Text sprachlich noch einmal deutlich verbessern,
- wie Sie eine effektive Abschlusskontrolle durchführen.
„Kann ich diesen Text so veröffentlichen?“ Viele Autoren zögern mit der Abgabe ihres Artikels – und das nicht ganz zu unrecht. Ein peinlicher Schreibfehler, ein Zahlendreher, eine unschlüssige Argumentation, eine missverständliche Formulierung: Schon ein kleiner Fehler kann viel Schaden anrichten. Sehr ärgerlich!
In dieser Lektion nehmen wir uns den Text daher noch einmal gründlich vor. Ziel ist es nicht, einen literarischen Wettbewerb zu gewinnen – wohl aber einen gut verständlichen und fehlerfreien Text abzugeben. Um diesen Anspruch einzulösen, hat sich ein Vorgehen in vier Arbeitsgängen bewährt:
- Absätze und Übergänge prüfen
- Überflüssiges streichen
- Text sprachlich verbessern
- Kontrolle und letzter Schliff
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Prüfen Sie Absätze und Übergänge
Viele Autoren neigen dazu, große Stoffmengen in einen Absatz zu packen und machen es damit den Lesern unnötig schwer. Gehen Sie deshalb Ihren Text durch und überlegen Sie, an welchen Stellen Sie einen langen Absatz aufteilen können.
- Jeder Gedanke ist es wert, einen eigenen Absatz zu erhalten! Lassen Sie Ihre Leser immer wieder durchatmen, damit sie sich auf den Fortgang der Ereignisse freuen können!
- Achten Sie darauf, dass der Leser ihrer Argumentation folgen kann. Überprüfen Sie deshalb die Übergänge zwischen den Gliederungspunkten. Ziehen Sie gelegentlich (wenn es sinnvoll erscheint) ein Zwischenresümee und sagen Sie dem Leser, was in den nächsten Abschnitten folgt.
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Streichen Sie Überflüssiges
Der Leser sollte einerseits Ihren Ausführungen problemlos folgen können. Deshalb ist es wichtig, ihn an die Hand zu nehmen, mit anschaulichen Beispielen zu arbeiten, gelegentlich ins Detail zu gehen und Übergänge zu formulieren. Gleichzeitig erwartet er aber auch ein gewisses Tempo – einen einigermaßen flott geschriebenen Text. Mit einer einfachen Regel können Sie hier schon viel erreichen: Streichen Sie Überflüssiges!
Konkret heißt das:
- Streichen Sie Textpassagen, die viel Wissen voraussetzen, für das Verständnis des Textes jedoch nicht notwendig sind.
- Entfernen Sie Wiederholungen, sofern Sie einen Gedanken nicht bewusst noch einmal hervorheben möchten.
- Lassen Sie Allerweltswörter (wirklich, nun, ja, gar, so, ungefähr, auch, häufig, oft, viel, wohl, aber…) nur stehen, wenn sie notwendig sind.
- Prüfen Sie die Adjektive: Sofern sie nicht der Unterscheidung dienen (das grüne Licht, das rote Licht), lassen sie sich meist problemlos streichen (z.B. bei „harter Knochenarbeit“, „wichtigen Meilensteinen“ oder „wesentlichen Eckpfeilern“).
Sie werden erstaunt sein, wie flott sich Ihr Text liest, wenn Sie Füllwörter, unnötige Wiederholungen oder nebensächliche Ergänzungen eliminiert haben.
Beim Redigieren von Texten kann künstliche Intelligenz eine wertvolle Hilfe sein. Sie kann nicht nur Grammatik- und Rechtschreibfehler korrigieren, sondern auch den Schreibstil verbessern.
Es lohnt sich, hier verschiedene Tools auszuprobieren und sich dann an eines zu gewöhnen, mit dem Sie Ihre Texte noch einmal überprüfen:
- DeepL Write
- WORTLIGA Textanalyse
- Wolf-Schneider-KI
- ChatGPT (Anweisung: „Korrigiere folgenden Text: …)
Wichtig: Prüfen Sie bei jedem Änderungsvorschlag, den Ihnen eine KI macht, ob Sie ihn wirklich übernehmen wollen. Schließlich soll der Artikel in Ihrem persönlichen Stil geschrieben sein –und nicht im Stil von ChatGPT & Co.
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Verbessern Sie den Text sprachlich
Die wichtigsten Regeln, was die Verständlichkeit angeht, haben Sie bereits kennengelernt:
- Schreiben Sie in der Sprache des Lesers.
- Geleiten Sie den Leser anhand der Gliederung durch das Thema.
- Machen Sie Absätze.
- Streichen Sie Überflüssiges.
Wenn Sie diese Hinweise beachten, dürfte Ihr Text bereits recht gut verständlich sein. Hier noch zwei weitere Empfehlungen, wie Sie den Text noch einmal deutlich verbessern können:
Empfehlung 1: Vermeiden Sie den „Nominalstil“
Nominalstil bezeichnet eine Art zu Schreiben, bei der anstelle starker Verben Substantive verwendet werden – was die Verständlichkeit deutlich erschwert. Vermeiden Sie insbesondere Wörter, die auf „ung“ enden, verwenden Sie stattdessen Verben. Ihr Text wirkt dadurch erheblich klarer und kraftvoller.
Verwenden anstelle des Nominalstils starke Verben. Ein Beispiel:
- Unschön: Die Neuausrichtung und Optimierung des Prozesses dauerte drei Monate.
- Besser: Es dauerte drei Monate, um den Prozess neu auszurichten und zu optimieren.
Tipp: Gehen Sie den Textentwurf speziell nach ung-Wörtern durch – und eliminieren Sie möglichst viele von ihnen.
Empfehlung 2: Vermeiden Sie Passivsätze
Passivsätze wirken umständlich und erschweren das Lesen. Zudem lassen sie den Leser im Unklaren, wer der Handelnde ist. So entsteht der Eindruck, dass der Autor den Zusammenhang nicht präzise darstellen kann – oder den Akteur bewusst nicht nennen möchte. Beides verärgert den Leser zusätzlich. Vermeiden Sie deshalb das Passiv, verwenden Sie stattdessen Aktivsätze! Ein Beispiel:
- Unschön: Alle Aktivitäten werden zentral gesteuert.
- Besser: Der Projektleiter steuert alle Aktivitäten.
Tipp: Gehen Sie den fertigen Textentwurf speziell nach Passivformen durch – und eliminieren Sie möglichst viele von ihnen.
Natürlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, einen Text sprachlich zu verbessern. Dieser Onlinekurs versteht sich jedoch nicht als Stilkunde für gutes Deutsch, sondern als Wegweiser, um publikationsfähige Texte zu erstellen. Dafür genügt es, die genannten Regeln zu beachten.
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Kontrolle und letzter Schliff
Kaum ein Artikelentwurf ist fehlerfrei. Vor der Abgabe steht daher noch eine sorgfältige Kontrolle und Schlussbearbeitung. Bewährt hat sich hier ein zweistufiges Verfahren, wie es in den meisten Redaktionen üblich ist:
- Überprüfung des Artikels anhand einer Checkliste
- Den Artikel gegenlesen lassen
Stufe 1: Artikel anhand einer Checkliste überprüfen
Werfen wir noch einmal einen Blick in den Alltag einer Redaktion. Bevor ein Autor dort seinen Text zum Gegenlesen an einen Kollegen weitergibt, prüft er eine Reihe von Details – zum Beispiel ob alle Namen und Titel korrekt sind, ob Zahlen, Daten und Fakten stimmen oder ob die Rechte der Fotos und Abbildungen geklärt sind. Machen Sie es ebenso!
Nutzen Sie für die Schlusskontrolle die Checkliste Schlussredaktion, die Sie hier als PDF abrufen können. Die 15 Fragen helfen Ihnen, den Artikel einem Schlusscheck zu unterziehen. Wenn Sie eine Frage mit Nein beantworten, sollten Sie den betreffenden Aspekt noch einmal überdenken und gegebenenfalls bearbeiten.
Stufe 2: Artikel gegenlesen lassen
In professionellen Zeitungs- oder Magazinredaktionen ist es selbstverständlich, dass der Autor seinen Text gegenlesen lässt. Ich empfehle Ihnen, ähnlich vorzugehen: Lassen Sie den Text zum Beispiel von einem Kollegen oder einem gut bekannten Kunden lesen.
Fällt das Urteil positiv aus, können Sie den Artikel mit gutem Gewissen zur Veröffentlichung freigeben. Andernfalls prüfen Sie das Feedback kritisch: Übernehmen Sie nur Anregungen, die Ihnen sinnvoll erscheinen. (Tipp: Oft ist es die bessere Lösung, einen unklaren oder umstrittenen Aspekt einfach zu streichen.)
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Ihre Aufgabe
Nehmen Sie die Schlussbearbeitung Ihres Pilotartikels vor. Damit ist Ihr Artikel bereit zur Veröffentlichung. Glückwunsch!
Wie es weitergeht…
… erfahren Sie in der letzten Lektion! Zugang folgt übermorgen per E-Mail. Oder gleich über diesen Link.